Problem im Griff

Sind Sie ein Fehler-Allergiker?

 

Es wird erzählt, wer seine Erfolgsrate steigern will, solle seine Fehlerrate erhöhen. Erfolg kommt zumindest teilweise von der Anzahl Ihrer Versuche. Wenn Sie mehr verkaufen wollen, machen Sie mehr Verkaufsgespräche. Wenn Sie mehr Verabredungen wollen, fragen Sie mehr Menschen mit Ihnen auszugehen. Ziemlich einfaches Prinzip – eines, dass es schon lange gibt.

Wir alle wissen, dass Sie auch versuchen können Ihre Erfolgsquote zu erhöhen, aber bleiben wir für diesen Blog-Eintrag einfach bei dem Konzept, die Anzahl der Versuche zu erhöhen.

Dieser Rat wird von den meisten Menschen so interpretiert werden, dass gemeint wäre, man solle etwas hernehmen, bei dem man eine vernünftige Wahrscheinlichkeit auf Erfolg hat und dies dann noch öfter machen. Aber ich gehe mit diesem Ansatz noch einen Schritt weiter. Gehen Sie hinaus und versuchen Sie etwas von dem Sie wissen, dass Sie scheitern werden.

 

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Scheitern Sie mit Absicht.

Lesen Sie weiter und ich werde Ihnen erklären, wie Ihnen das zugute kommen wird.

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Ich werde Ihnen nicht empfehlen dies zu tun, wenn Sie viele Investoren haben die auf Ihren Erfolg zählen oder wenn die Konsequenzen des Scheiterns groß sind. Aber es gibt viele Dinge die Sie machen können und von denen Sie wissen, dass Sie scheitern werden, ohne ernsthaft langfristig negative Konsequenzen fürchten zu müssen. Versuchen Sie ein Musikinstrument zu lernen, wenn Sie dazu kein Talent haben. Versuchen Sie ein kleines Projekt außerhalb Ihrer technischen Fähigkeiten zu realisieren. Bitten Sie um einen Job, eine Beförderung oder Gehaltserhöhung wenn Sie wissen, dass Ihr Gegenüber Nein sagen wird. Bitten Sie um eine Verabredung wenn Sie garantiert eine eindeutige Absage bekommen. Kochen Sie ein Gericht, dass über Ihren Kochkünsten liegt. Schreiben Sie sich in einen Marathon ein wenn Sie nicht einmal einen Kilometer laufen können, gehen Sie hin und laufen Sie nur einen halben Häuserblock.

 

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Es gibt einige signifikante Vorteile etwas zu versuchen, bei dem Scheitern vorprogrammiert ist:

  1. Sie bekommen Erfahrung im Scheitern, wie Sie es verkraften und wie Sie sich davon erholen, was mindestens genau so wichtig ist wie den Umgang mit Erfolg zu lernen. Sie werden besser auf zukünftiges Versagen vorbereitet sein. Sie werden lernen, sich davon schnell wieder zu erholen, die Schlüssellektion daraus zu ziehen und diese einer guten Verwendung zuzuführen.

  2. Sie werden größere Bescheidenheit entwickeln und das wiederum wird Ihnen erlauben Ihr Ego weiter herunter zu schrauben, sodass Sie weder zu optimistisch noch zu pessimistisch werden. Und Ihre Produktivität wird regelmäßiger und konstanter werden.

  3. Sie werden geradewegs an Ihre Grenzen stoßen und sich wohl dabei fühlen, an deren Erweiterung zu arbeiten, anstatt mit einer bequemen Polsterung hinter Ihrem ungenutzten Potential zurück zu bleiben.

  4. Sie werden Ihre Widerstandskraft gegen Angst vor dem zukünftigen Versagen stärken.

  5. Viele Aufgaben mit denen Sie letzten Endes scheitern werden, werden dennoch Teilerfolge mit sich bringen. Zum Beispiel, wenn Sie versuchen 10 Kilo pro Monat abzunehmen werden Sie vermutlich scheitern und nur 3 Kilo abnehmen.

  6. Sie werden besser im Unterscheiden von Projekten die zum Scheitern verurteilt sind und Projekten mit Erfolgsaussichten. Und das wird Ihnen erlauben mehr Erfolg zu erreichen, wenn es wirklich zählt, weil Sie dann auf weit mehr Erfahrung zurückgreifen können. So werden Sie öfter Erfolg haben.

  7. Sie werden eine dickere Haut bekommen. Sie werden sich daran gewöhnen, von anderen Menschen wegen Ihres Scheiterns herunter gemacht oder abgelehnt zu werden und Sie werden in der Lage sein hinaus zu gehen und große Projekte in Angriff zu nehmen ohne sich um die Meinung anderer Sorgen machen zu müssen.

  8. Sie werden ausdauernder werden. Sie werden erkennen, dass Scheitern nicht so eine große Sache ist, wie die Menschen daraus gemacht haben. Über 50 Millionen Spermien versagten in Ihrem Bemühen, Sie zu erschaffen, während es nur eines schaffte. Was wäre, wenn keiner es versucht hätte weil die Chancen auf Erfolg überwältigend klein waren?

  9. Sie werden sich selbst konditionieren aktiv zu werden und mit dem Nachdenken aufzuhören. Sie ziehen sich selbst aus dem Zustand der analysierenden Lähmung und werden anfangen, Dinge umzusetzen anstatt sie sich nur auszudenken und zu planen.

  10. Hin und wieder werden Sie lernen, dass Sie falsch gelegen sind und bei etwas Erfolg hatten, bei dem Scheitern eigentlich sicher erschien. Sie werden beschränkende Ansichten über Bord werfen und ein besseres Verständnis dafür erhalten, was realistisch für Sie möglich ist. Sie werden neue Talente entdecken, von denen Sie nicht wussten, dass Sie diese haben. Sie werden lernen, dass Ihre bisherige Einschätzung von dem was Sie für Realismus hielten eigentlich zu pessimistisch war und Ihre Einschätzung entsprechend einen Schritt weiter Richtung Optimismus verschieben bis es ganz genau passt.

  11. Sie können sagen „Hahaha. Ich wollte das so.“ und es zur Abwechslung auch so meinen.

 

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Machen Sie das Scheitern zu Ihrem Freund und der Erfolg hängt sich an

Dieser Rat mag vielleicht paradox und ironisch klingen verglichen mit meinen vorhergehenden Einträgen. Aber was ich hier empfehle ist absichtliches Scheitern als Trainings-/Konditionierungsübung zu verwenden. Scheitern Sie nicht absichtlich wenn es wirklich um etwas geht. Aber umarmen Sie das Scheitern wenn es um nichts geht. Indem Sie mit der Erwartung des Scheiterns in eine Situation gehen, ist Scheitern wahrscheinlicher als wenn Sie Erfolg erwarten. Aber das ist OK denn in diesem Fall ist Erfolg nicht das Ziel. Sie versuchen nicht erfolgreich zu sein in dieser Übung. Sie versuchen Ihre Toleranz und Ihr Verständnis für das Scheitern und die Ablehnung zu erhöhen.

Angst vor Versagen oder Zurückweisung hält viele Menschen davon ab, sich große Ziele zu setzen und diese auch zu erreichen. Es ist also wichtig, eine starke Immunität gegen beide zu entwickeln. Kleine, kontrollierte Dosen von Scheitern und Zurückweisung einzunehmen ist eine Möglichkeit sich selbst dagegen resistent zu machen. Sie werden Sie nicht umbringen, aber sie werden Sie stärker machen.

Ohne diese Impfungen sind Sie dazu verdammt als Fehler Hypochonder zu leben. Selbst ein mittelgroßes Versagen kann Sie hinunter ziehen (in die Aufschieberitis, Depression, Trägheit). So werden Sie beginnen, diese Fehler zu vermeiden. Unglücklicherweise sind alle Orte, an denen sich Erfolg herumtreibt, von kleinen fiesen Fehlerkeimen befallen. Daher werden Sie, indem Sie Fehler vermeiden, auch kaum Erfolg haben.

Ein weiteres Problem mit der Fehler-Allergie ist, dass Sie erfolgreiche Menschen meiden müssen. Erfolgreiche Menschen niesen permanent Fehlerkeime aus, wenn Sie diesen also zu nahe kommen, werden diese auch Sie mit Fehlerkeimen besprühen. Aus diesem Grund werden Sie die meiste Zeit mit anderen Fehler-Allergikern verbringen müssen und viel mehr über das Vermeiden von Fehlern lernen als über das Erlangen von Erfolg. Auf lange Sicht werden Sie weder ein Versager, noch ein Gewinner sein. Sie werden einfach nur unnötig sein.

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Kleine Fehlerimpfungen sind einfacher zu verkraften als sich den furchteinflößendsten Fehlern direkt zu stellen. Indem Sie mit der Erwartung zu Scheitern in eine Situation gehen, schalten Sie Ihr Ego aus. Sie sind nicht emotional in die Situation verstrickt. Stellen Sie sich vor, jemanden um ein Rendezvous zu bitten, wenn Sie sich 100% sicher sind ein Nein zu bekommen und Sie es nur machen um das Nein aus dem Weg zu räumen. Das ist viel weniger stressig, als wenn Sie es tun und verzweifelt ein Ja erzielen wollen, aber nicht glauben eines bekommen zu können. Durch das Sammeln von Erfahrung im Scheitern werden Sie das Rückgrat entwickeln, es trotzdem noch zu versuchen, auch wenn Sie ein Ja hören wollen. Sie werden in der Lage sein, Ihr Ego auszuschalten wenn nötig, einen Versuch zu wagen, neu zu starten und sich schnell wieder zu erholen.

Nehmen Sie die Fehler- bzw. Zurückweisungsimpfungen, damit Sie Ihr Leben nicht als Fehler-Allergiker verbringen müssen. Fragen Sie sich einfach selbst „In welcher kleinen Sache kann ich heute scheitern?“. Dann machen Sie es. Haben Sie Spaß daran. Erlauben Sie sich selbst zu entdecken, dass Scheitern keine monströse, angsterregende Sache ist, welche um jeden Preis vermieden werden muss. Meine Scheitern Aufgabe für heute ist es, meine 4-jährige Tochter Emily davon zu überzeugen, das Alphabet nicht auf ihre Kleider zu malen. Dann werde ich meinem 1-jährigen Sohn Kyle vielleicht beibringen zu essen ohne dass Essen in seine Haare gerät.

Ich habe gerade eine Google-Suche nach „Fehler-Allergiker“ gemacht und zu meinem großen Bedauern kam kein einziges Ergebnis. Hier handelt es sich wohl doch mehr um ein Untergrund-Problem als ich ursprünglich dachte. Keine Selbsthilfegruppen oder ähnliches. Schauen wir mal wie lange dieser Blog-Eintrag braucht um bei dieser Sucheingabe angezeigt zu werden. StevePavlina.com belegt bereits die ersten Plätze bei Posteriorities und Alexathemia. Das ist eine unglaubliche Suchhäufigkeit dort sage ich euch ;-).

 


 Übersetzung von ProblemImGriff, Original von Steve Pavlina:
„Are You A Failure Germaphobe?“


 

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